Das Fotogramm als visuelles Modell? Die Visualisierung nichtsichtbarer Strahlen in wissenschaftlichen Fotografien um 1900

In: Visuelle Modelle
München: Wilhelm Fink (2008), S. 137-154
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Kunst, Design
Abstract:
Ausgehend von den Versuchen Ritters, Röntgens und Becquerels, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert die Spuren niedrig- oder hochfrequenter elektromagnetischer Lichtwellen mit Hilfe von fotosensiblen Substanzen visualisierten, soll herausgestellt werden, worin sich diese »Fotogramme des Unsichtbaren« von den defektiven fotografischen Bildern unterscheiden, die in den Laboren des Physikers Goodspeed oder des »Magnetopathen« Rohm entstanden waren. Der Essay untersucht, wie es den Wissenschaftlern gelingen konnte, den flüchtigen und unsichtbaren Referent dieser Bilder, der sich weitestgehend der Kontrolle des Operateurs entzog, so zu beherrschen, das es ihnen gelingen konnte, nicht nur Spuren der vermuteten Strahlen aufzuzeichnen, sondern wiederholbare und anschauliche Fotogramme zu generieren. Diese Bilder konnten zu stabilen Wissensträgern oder wie im Fall der von Becquerel erstellten Fotogramme zu Modellen der aufgezeichneten Strahlung werden.