Ellermann, Thomas:

Kardiale Spätschäden der Diphtherie

Essen (2002), 90 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät
Papenberg, J. (Doktorvater, Betreuerin)
von Birgelen, Clemens (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Bei echokardiographischen Routine-Untersuchungen fiel bei Patienten mit einer lange zurückliegenden Diphtherie–Erkrankung eine beidseitige Vorhofvergrößerung auf, ohne daß eine weitere zugrunde liegende Herzerkrankung erkennbar war. Derartige Veränderungen wurden bisher in der Fachliteratur nicht beschrieben. Die vorliegende Studie wurde durchgeführt um der Frage nachzugehen, ob nach einer Diphtherieerkrankung in der Jugend im höheren Lebensalter signifikante Spätschäden am Herzen faßbar sind. Die hierzu durchgeführten Untersuchungen waren ein EKG, eine Röntgenuntersuchung des Thorax, die Echokardiographie und Phonomechanokardiographie. Im Rahmen des normalen Krankenhausbetriebes wurden 50 Patienten erfaßt, die eine entsprechende Diphtherieanamnese hatten. Bei keinem dieser Patienten war anamnestisch zum Zeitpunkt der akuten Erkrankung eine Diphtheriemyokarditis nachgewiesen worden. Diese Patienten wurden einem bezüglich der Begleiterkrankungen und der Altersstruktur vergleichbaren Kontrollkollektiv gegenübergestellt. Bei der Röntgenuntersuchung des Thorax war kein pathologischer Befund zu erheben, der für die beschriebenen regelmäßigen Veränderungen als Erklärung dienen kann.. Das EKG zeigte keine einheitlichen Formveränderungen, jedoch in der Diphtheriegruppe einen mit 20% hohen Anteil von Patienten mit Vorhofflimmern. Die Ausbildung einer diastolischen Relaxationsstörung der Ventrikel, die sich dopplerechokardiographisch anhand des VE/VA-Verhältnisses nachweisen lässt, stellt den zentralen Befund dar. Auch bei der Mechanokardiographie liegen in Form einer hohen A-Welle Hinweise für eine diastolische Dehnbarkeitsstörung vor. Diese Dehnbarkeitsstörung, die in der Diphtheriegruppe bei 80% der Patienten nachweisbar ist, entsteht möglicherweise dadurch, daß es im Rahmen der akuten Diphtherie durch eine interstitielle Myokarditis zu einer Destruktion von Herzmuskelfasern mit Ausbildung kleiner Narbenherde kommt. Die chronische Druckbelastung der Vorhöfe führt dann im Laufe der Jahre zu der beobachteten allmählichen Vorhofvergrößerung, wobei zusätzliche belastende Faktoren wie eine arterielle oder pulmonalarterielle Hypertonie den Effekt verstärken. Der hohe Anteil von Patienten mit Vorhofflimmern innerhalb der Diphtheriegruppe gegenüber dem Kontrollkollektiv läßt sich folglich durch die beschriebene Vorhofvergrößerung erklären, zum anderen aber auch durch eine direkte Schädigung der Vorhofmuskulatur durch die Toxinwirkung mit der Folge einer Fibrosierung des Myokards.