Oster, Britta:

Fazilitierung der Neurone im spiralen trigeminalen Nucleus, die für den zentralen Migränekopfschmerz, nicht aber für den peripheren Schmerz der Sinusitis spezifisch ist

Duisburg, Essen (2008), 76 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Neurologie
Katsarava, Zaza (Doktorvater, Betreuerin)
Hufnagel (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Gegenstand der vorliegenden Arbeit war es, die trigeminale Nozizeption und dessen Ursprung bei Migräne zu untersuchen. Als Erstes stellten wir uns die Frage, ob es einen Unterschied der Ergebnisse zwischen der Standard-Blink-Reflex- und der nozizeptiven Blinkreflex (nBR)- Ableitung gibt. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend interessierte uns, ob die trigeminale Nozizeption nur bei zentralem Ursprung oder auch bei peripherem Ursprung, wie bei der Sinusitis, verändert ist. Die trigeminale Schmerzverarbeitung wurde mittels des nozizeptiven Blinkreflexes (nBR) erfasst, einer neuen Methode, die in der Universitätsklinik Essen etabliert wurde. Hierbei kam die neue konzentrische Stimulationselektrode zum Einsatz, die dank der konzentrischen Geometrie in der Lage ist, selektiv die kutanen Schmerzfasern zu stimulieren, ohne die tiefer liegenden nicht–nozizeptiven Fasern mitzuerregen. Daher ist der nBR schmerzspezifisch und ist in Bezug auf Veränderungen des trigeminalen Systems sensitiver, als der Standard-Blink-Reflex. Zunächst untersuchten wir die Migräne mit streng einseitigen Attacken an siebzehn Patienten während einer akuten Attacke, nach medikamentöser Behandlung mit 1g Aspirin intravenös (i.v.) oder 5mg Zolmitriptan per os (p.o.), sowie interictal. Die Blinkreflex-Antworten nach der Standard-Stimulation waren während der akuten Migräneattacke, nach der medikamentösen Behandlung und interictal unverändert. Im Gegensatz dazu fanden wir eine Fazilitierung der nozizeptiven Blinkreflex-Antworten während der akuten Migräneattacke und zwar auf der Kopfschmerzseite. Die Beginnlatenzen waren signifikant kürzer auf der Kopfschmerzseite, als auf der Nicht-Kopfschmerzseite (44,3 ± 5,4ms auf der Kopfschmerzseite, 48,9 ± 5,8ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite). Die Fläche unter der Kurve (area under the curve, AUC) der R2 Antworten war auf der Kopfschmerzseite um 680% gesteigert, auf der Nicht-Kopfschmerzseite um 230%. Diese Fazilitierung konnte durch die Gabe von Aspisol, beziehungsweise Zolmitriptan, deutlich gehemmt werden. Es kam zu einer Verzögerung der Einsatzlatenzen (Zolimitriptan: 48 ± 8,2ms auf der Kopfschmerzseite, 52,3 ± 7,6ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite; i.v. Acetylsalicylsäure: 48,0 ± 5,0ms auf der Kopfschmerzseite, 51,2 ± 5,6ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite), sowie zu einer reduzierten AUC der R2-Antwort um 45% (Zolmitriptan) und um 48% (Aspirin). Im Migränefreien Intervall normalisierte sich die Fazilitierung wieder komplett.Um diese Fazilitierung weiter hinsichtlich ihres zentralen oder peripheren Ursprungs zu untersuchen, verglichen wir nun anhand des nBR vierzehn Patienten mit einer akuten Migräneattacke mit vierzehn Patienten mit einer akuten einseitigen Sinusitis. Bei der Sinusitis handelt es sich um einen vergleichbaren starken Kopfschmerz, welcher nach einer antibiotischen Therapie verschwindet aber pathophysiologisch gesehen peripher, also durch die Entzündungsreizung peripherer Nozizeptoren entsteht. Bei den Migränepatienten zeigte sich erneut die Fazilitierung der nBR Antworten während der akuten Migräneattacke auf der Kopfschmerzseite (Beginnlatenzen: 44,3 ± 5,4ms auf der Kopfschmerzseite, 48,9 ± 5,8ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite; Steigerung der AUC der R2 Antworten auf der Kopfschmerzseite um 680%, auf der Nicht-Kopfschmerzseite um 230%). Diese Veränderung konnten wir bei den Sinusitispatienten nicht nachweisen.Somit konnten wir auch mit dieser Untersuchung eine Fazilitierung nur bei der Migräne, aber nicht bei der Sinusitis, belegen.