Wie unterrichten Lehrer stochastische Grundbegriffe? Eine vergleichende Falluntersuchung zwischen Grund- und Erweiterungskurs einer 7. Klasse

In: Aufgaben als Anforderungen an Lehrer und Schüler / Bromme, Rainer (Hrsg.)
Köln: Aulis-Verl. Deubner (1990), S. 231-273
ISBN: 3-7614-1298-3
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Mathematik
Fakultät für Mathematik » Didaktik der Mathematik
Abstract:
In drei siebten Klassen (einem E- und zwei G-Kursen einer Gesamtschu1e) wurden Unterrichtsreihen zur elementaren Wahrscheinlichkeitsrechnung beobachtet. Für einen quantitativen und qualitativen Vergleich wurden die curricularen Konzeptionen dieser Reihen rekonstruiert im Hinblick auf Grundbegriffe, Regeln und Aufgaben der Wahrscheinlichkeitsrechnung sowie ausschnittweise Unterrichtsepisoden in transkribierter Form herangezogen, in denen exemplarisch unterliegende Interpretationen von Wahrscheinlichkeit und ihrer unterrichtlichen Erarbeitung zum Ausdruck kommen. Neben den zumeist bekannten Unterschieden bezüglich des Umfangs des behandelten Unterrichtsstoffes in den Kursen, macht der Vergleich u.a. auf folgenden interessanten Zusammenhang aufmerksam. Während im E-Kurs eine relativ strikte Definition von Wahrscheinlichkeit erarbeitet wurde und eher formal rechnerische Arbeitsweisen dominierten, sahen sich die G-Kurs-Lehrer gezwungen, die Entwicklung der Wahrscheinlichkeit stärker in konkreten Beispielsituationen zu verankern und vermehrt experimentelle Tätigkeiten in den Lernprozess einzubeziehen; dies bewerteten sie als ein Defizit im Vergleich zur E-Kurs-Konzeption, obwohl die in ihrem Unterricht sich zeigende experimentelle und kontextbezogene Akzentuierung der Wahrscheinlichkeit eher der besonderen Epistemologie der Stochastik angemessen ist.

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