Gauff, Gunnar:

Outcome und Lebensqualität nach Polytrauma : Ergebnisse an einem vollständigen 2-Jahres-Kollektiv mit Erfassung der Spätletalität und der Lebensqualität unter Berücksichtigung von geschlechtlich-, alters- und verletzungsabhängigen Faktoren sowie der beruflichen Reintegration

Duisburg, Essen (2008), 90 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Unfallchirurgie
Flohé, Sascha (Doktorvater, Betreuerin)
Senf, Wolfgang (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Hintergrund: Infolge der anhaltenden Diskussionen um Ökonomie im Gesund-heitswesen gewinnt die Frage nach der Langzeitprognose des unverhältnismäßig kostenintensiven Polytraumapatienten zunehmend an Bedeutung. Dabei wird neben der Prognose unter dem Gesichtspunkt der Überlebenswahrscheinlichkeit, den langfristigen Auswirkungen des Traumas auf die Lebensqualität eine wichtige Rolle zugesprochen. Eng damit verknüpft ist aufgrund der Altersstruktur des typischen Traumapatienten der Aspekt der Wiederherstellung der Erwerbstätigkeit. Ziele der Arbeit sind die Identifikation von Faktoren, die die Spätletalität maßgeblich beeinflussen, die Beschreibung des Einflusses von Alter, Geschlecht und verletzungsspezifischen Merkmalen auf die Lebensqualität sowie die Darstellung von Zusammenhängen zwischen Lebensqualität und der beruflichen Reintegration. Methodik: In einem 2-jährigen Intervall wurden sämtliche Daten des 482 Patienten beinhaltenden Traumakollektivs prospektiv erfasst. Die Spätletalität wurde über die Information der zuständigen Einwohnermeldeämter ermittelt. Die Erfassung der Lebensqualität erfolgte konsekutiv 2 Jahre nach Trauma an 218 Patienten anhand der POLO-Chart, der die globalen Mess-instrumente GOS, EuroQol und den SF-36 beinhaltet. Ergebnisse: Die Untersuchungen identifizieren das Alter als Faktor, der die Spätletalität maßgeblich beeinflusst, unabhängig von der initialen Verletzungsschwere. Des weiteren bedroht das Trauma den alten Patienten zusätzlich durch den Verlust der Selbständigkeit und erhöhter Pflegebedürftigkeit. Die Lebensqualität nach Trauma ist geschlechtsunabhängig mit Ausnahme eines erhöhten Risikos von qualitativ gravierenderen Einschränkungen durch PTSD auf Seiten der Frauen. Den jungen, aktiven und erwerbsfähigen Patienten gefährdet das Trauma nachhaltig durch existentielle Probleme wie Arbeitslosigkeit, Konflikte oder Veränderungen im Privatleben und sozialen Umfeld, verursacht durch schmerzbedingte Einschränkungen in den Bereichen der Mobilität und der Alltagsaktivitäten. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse verdeutlichen die Wichtigkeit der Definition von traumaspezifischen Prädiktoren und der frühzeitigen Erkennung von Residuen, um potentielle Probleme zu antizipieren und adäquate Maßnahmen ergreifen zu können.