Tveten, Stein:

Operative Therapie der endokrinen Orbitopathie

Essen (2001)
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Kliniken Essen-Mitte » Klinik für Gesichts- und Kieferchirurgie
Dissertation
Abstract:
Die endokrine Orbitopathie (EO) ist eine schwerwiegende immunologische Entzündungsreaktion des retroorbitalen Binde-, Fett- und Augenmuskelgewebes. Die EO tritt nur im Rahmen von Immunthyreopathien auf und bildet deren häufigste extrathyreoidale Manifestation. Die typischen Symptome der EO sind Folge der Volumenzunahme des retrobulbären Binde- und Fettgewebes sowie der interstitiellen Verdickung der Augenmuskel. Klinisch zeigt sich ein Spektrum von zunehmend schwerwiegenden Orbitaveränderungen, wie Lid- und Bindehautinfiltration, Exophthalmus, Muskelverdickung, Hornhautschädigungen und Sehnervbeteiligung mit Visusabfall. Bei einer Funktionsstörung des Sehnervs (Optikuskompression) stellt die Orbitadekompression häufig die einzige Chance dar. Von Januar 1992 bis August 1998 wurden 17 Patienten (34 Orbitae) mit Visusminderung und verlängerten Latenzzeiten der visuell evozierten Potentiale aus einem Kollektiv von über 600 Patienten mit EO chirurgisch behandelt. Alle Gesamtbehandlungsdaten wurden prospektiv dokumentiert. Die chirurgische Intervention wurde nur in den Fällen durchgeführt, in denen trotz Retrobulbärbestrahlung und hochdosierter Glukokortikoidtherapie ein progressiver Visusverlust bestand. Die chirurgische Therapie beinhaltet eine 3-Wand-Dekompression der medialen, inferioren und lateralen Orbitawände und des Orbitainhalts über einen bikoronaren und gegebenfalls anterioren Zugang. Die Langzeitergebnisse der Patienten zeigen verbesserte oder gleiche Visusverhältnisse bei 28 der 34 postoperativ untersuchten Augen. Der Prozeß des Visusverlustes konnte demnach durch die Operation zuverlässog gestoppt werden. Ebenso ließ sich der Exophthalmus signifikant reduzieren. Parameter wie Visus, Exophthalmus, VECP, Augenmotilität, Diplopie und Gesichtsfeld wurden prä- und postoperativ dokumentiert. Postoperative Abweichungen der Bulbusachsen waren nur bedingt vorhersagbar und wurden durch sekundäre Augenmuskelverlagerungen korrigiert. Es zeigten sich keine nennenswerten Komplikationen. Für Extremfälle therapieresistenter endokriner Orbitapathien mit progredientem Visusverlust hat sich in unseren Händen die 3-Wand-Dekompression als Methode der Wahl bewährt.

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