Entscheidungsphase Promotion : Studentinnen reflektieren Voraussetzungen, antizipieren Folgen

Duisburg (2007), 375 S.
Dissertation / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Duisburg-Essen, Univ., Diss., 2007
Abstract:
Entscheidungsphase Promotion
Studentinnen reflektieren Voraussetzungen, antizipieren Folgen 
sowie Alternativen und erkennen Barrieren/Hürden

Ausgangslage und Problemstellung
Frauen und Männer bekleiden in der Wissenschaft ganz unterschiedliche Positionen: Wäh-rend die StudentInnen- und AbsolventInnenzahlen in vielen Studiengängen inzwischen an-nähernd gleich sind, nimmt der Frauenanteil mit jeder weiteren Qualifikationsstufe deutlich ab. Ziel dieser Arbeit ist es, die der Entscheidung für bzw. gegen eine Promotion vorausge-henden Erfahrungen und diesbezüglichen Haltungen weiblicher Studierender zu analysieren. Wesentlich sind in dieser Untersuchung die Wahrnehmungen derjenigen, die sich mit einer Promotionsabsicht tragen könnten, d. h. der Studentinnen, die kurz vor dem Studienab-schluss stehen und sich in der Statuspassage von der Ausbildung in die Berufstätigkeit oder in die nächst höhere Qualifizierungsstufe befinden. Es gilt, bereits zu diesem frühen Zeit-punkt die Gründe dafür genauer zu explorieren, warum Frauen sich für eine Tätigkeit in Wis-senschaft und Forschung seltener entscheiden als Männer. Hieraus werden Empfehlungen für universitäre Gremien formuliert, die auf Strukturveränderung zielen, indem sie neue Chancen eröffnen und Hindernisse beseitigen. In einem konzeptionellen Teil werden gezielte Überlegungen zur Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses angestellt.

Aufbau der Arbeit 
Aus der Abgrenzung zu dem Vorgehen bisheriger Untersuchungen werden erste For-schungsfragen entwickelt. Unter Zugrundelegung der Erkenntnisse der Frauen- und Ge-schlechterforschung sowie der Sozialisationsforschung gehe ich davon aus, dass im Prozess der Karriere- und Biografieplanung strukturelle, soziale und individuelle Bedingungen mitein-ander verknüpft sind, die im Hinblick auf eine Promotion als positive wie negative Valenzen (Lewin) auf die Studentinnen wirken werden. Der Einbezug der soziologischen Perspektive Pierre Bourdieus (Habitus-Konzept) ermöglicht es, individuelle Verhaltensspielräume stets in wechselseitiger Abhängigkeit von den Strukturkategorien ‚soziales Feld’, ‚Klasse’ und ‚Ge-schlecht’ zu betrachten. 

Methodisches Vorgehen
Auf der Grundlage einer leitfadengestützten Befragung (qualitatives Forschungsdesign) von insgesamt 22 Studentinnen zweier Fachbereiche (11 aus dem Fachbereich Bildungswissen-schaften und 11 aus den Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, Stand-ort Essen) wird gezeigt, welche Faktoren sich im Einzelnen hemmend bzw. fördernd auf eine hochschulwissenschaftliche Laufbahnplanung - konkret auf das Anstreben einer Promotion - auswirken können. Eine im Anschluss an das Interview eingesetzte kreative, Bild gebende Methode (Kognitive Karten) präzisiert das im Interview Gesagte und ermöglicht gleichzeitig eine kommunikative Validierung. 

Ergebnis
In den Interviewaussagen sind lediglich vereinzelt eindeutig klare positive oder negative Hal-tungen zur Promotion zu finden. Der überwiegende Teil der Befragten steht einem solchen Vorhaben äußerst ambivalent gegenüber und befindet sich in aktiver Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven der weiteren Berufs- und Lebensplanung. Rational gegen-einander abgewogen werden unterschiedliche persönliche und arbeitsmarktrelevante Chan-cen und Nachteile einer Promotion. Teilweise werden individuelle Ängste und strukturelle Hürden reflektiert, die zu überwinden sind. In vielen Aussagen wird jedoch deutlich, dass nicht alle Implikationen der weiblichen Geschlechtszugehörigkeit sowie der familiären Her-kunft und ihrer sozialen Zwänge dem Bewusstsein der Befragten zugänglich sind und in die Überlegungen reflexiv mit einbezogen werden können. Die Interviews geben Hinweise dar-auf, dass kollektive geschlechtsspezifische Muster im Habitus der Befragten repräsentiert sind, die als individuelle ‚gläserne Wand’ den Schritt in die wissenschaftliche Weiterqualifizierung hemmen können.

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