Ueberberg, Bianca:

Charakterisierung neuer Regulationsmechanismen in der Nebenniere durch Somatostatin und Ghrelin

Duisburg, Essen (2007), 121 Bl.
Dissertation / Fach: Biologie
ehem. Fakultät für Biologie und Geografie
Petersenn, Stephan (Doktorvater, Betreuerin)
Vortkamp, Andrea; Esche, Helmut (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Somatostatin ist ein im menschlichen Körper weit verbreitetes Hormon, das nahezu alle endo- und exokrinen Sekretionen hemmt. Es spielt ebenfalls eine wichtige Rolle als Inhibitor der Zellproliferation. Die unterschiedlichen Effekte von Somatostatin werden durch Bindung des Hormons an seine spezifischen Membranrezeptoren vermittelt. Bislang konnten fünf humane Somatostatin-Rezeptorsubtypen (sst1-sst5) identifiziert werden.
Im Rahmen dieser Arbeit konnte die mRNA-Expression der fünf Somatostatin-Rezeptorsubtypen in der gesunden Nebenniere und Nebennierentumoren unterschiedlicher Ätiologien nachgewiesen werden. Während in der gesunden Nebenniere die Expression aller fünf ssts identifiziert wurde, zeigten die verschiedenen Nebennierentumoren ein sich jeweils von der gesunden Nebenniere unterscheidendes Expressionsmuster. Die unterschiedliche Expression könnte auf neue Aspekte in der Pathogenese dieser Tumoren deuten. Die differenzierte Expression könnte zudem die diagnostischen und therapeutischen Strategien in der Behandlung solcher Tumoren mit Einsatz spezifischer Analoga von Somatostatin in Abhängigkeit von der Tumorart und dem exprimierten Rezeptorsubtyp erweitern. In der Kultur vitaler Nebennierenzellen scheinen die verwendeten Somatostatin-Analoga im Rahmen einer Rückkopplung die Expression einzelner ssts zu regulieren. Der in in-vitro Experimenten demonstrierte hemmende Effekt von Somatostatin und SOM230 auf die Hormonsekretion von Phäochromozytomzellen macht einen Einsatz von Somatostatin bzw. SOM230 in der Therapie dieser Tumorentität denkbar.
Zur genaueren Charakterisierung der molekularen Regulation wurden die bekannten Promotorregionen der einzelnen Somatostatin-Rezeptorsubtypgene bezüglich ihrer transkriptionellen Bedeutung in Nebennieren-Modellsystemen untersucht. Während in Nebennierenrinden-Zelllinien bekannte sst-Promotorsequenzen aktiv waren, lässt die Fehlende Aktivität in der Nebennierenmarkzelllinie auf alternative Promotoren schließen.
Das Hormon Ghrelin ist an der Regulation von Appetit, endokriner Sekretion und auch der Zellproliferation beteiligt und interagiert mit der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. In den vorgelegten Untersuchungen konnte eine sehr starke Expression von Ghrelin in der Nebenniere sowohl auf RNA wie auch auf Protein-Ebene gezeigt werden, die höher als in den meisten zum Vergleich untersuchten Geweben war. Ein Einfluss der Nebenniere auf die Appetitregulation und den Stoffwechsel unter Vermittlung von Ghrelin erscheint somit denkbar. In Nebennierentumoren war eine signifikante Abnahme der Ghrelin-Expression zu beobachten, deren pathophysiologische Relevanz noch unklar ist.

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