Fritsche, Günther:

Prädiktoren für einen Rückfall des Mißbrauchs von Schmerz- und Migränemitteln bei Kopfschmerzpatienten

Essen (2002), 95 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Neurologie
Diener, Hans Christoph (Doktorvater, Betreuerin)
Schedlowski, Manfred (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Der medikamenten-induzierte Kopfschmerz (MKS) entsteht in Folge einer regelmäßigen Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln. Er ist an das Vorhandensein eines primären Kopfschmerzes vom Spannungstyp (KST), eines Kombinationskopfschmerzes oder einer Migräne gebunden. Die Rückfallquote nach erfolgreicher Entzugsbehandlung wird im deutschsprachigen Raum mit 20-40% angegeben. Prädiktoren für einen Rückfall werden selten und inhomogen beschrieben. Die vorliegende Arbeit besteht aus einer retrospektiven (A) und einer prospektiven Studie (B). Mit den unterschiedlichen Designs soll der bisherige unzureichende Kenntnisstand über die Langzeit-Prognose sowie über die Prädiktoren eines Abusus-Rückfalls verbessert werden. In Studie A wurden 103 ehemalige Entzugspatienten 2-4 Jahre nach dem Entzug hinsichtlich des Therapieerfolges und des Medikamenten-Einnahmeverhaltens exploriert. 48,5% der Patienten erlitten in dem fraglichen Zeitraum einen Rückfall. Eine positive Prognose haben Patienten, die Monosubstanzen nach dem Entzug zur Kupierung einsetzen. In Studie B wurden 98 Entzugspatienten vom ersten Tag des stationären Aufenthalts bis ein Jahr nach Therapieende hinsichtlich des Therapieerfolges und des edikamenten-Einnahmeverhaltens beobachtet. Eine günstige Rückfall-Prognose haben Patienten, die nach dem Entzug Monopräparate einnehmen. Eine ungünstige Prognose ist unter Einnahme von Kombinationsanalgetika oder -ergotaminen gegeben. Zusätzlich erweist sich der Kopfschmerztyp als signifikanter Prädiktor für einen Abusus-Rückfall: Migräne- Patienten haben eine günstigere Prognose als KST-Patienten. Die generelle Rückfallquote liegt nach 6 Monaten bei 30,2% und nach 12 Monaten bei 38,8%. Beide Studien zeigen eine größere Rückfallrate, als bisher angenommen. Das Prädiktoren-Spektrum ist plausibel, scheint verlässlich und hat unmittelbare therapeutische Konsequenzen. Durch den Einbezug der Medikamentenklasse der Triptane ist es erstmals möglich, deren Bedeutung für einen Abusus-Rückfall zu erfassen.