Lind, Gunter; Friege, Gunnar; Sandmann, Angela:

Selbsterklären und Vorwissen.

In: Empirische Pädagogik., Jg. 19 (2005) ; Nr. 1, S. 1-27
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Biologie
Abstract:
In dem Beitrag wird eine Studie vorgestellt, in der das Selbsterklären beim Lernen mit Beispielaufgaben in Abhängigkeit vom Vorwissen untersucht wurde. Die Studie wurde in den zwei Domänen Biologie und Physik mit Schülern durchgeführt, die in einem der beiden Fächer über überdurchschnittliche Fachkenntnisse und in dem anderen höchstens über Grundkenntnisse verfügten. In je einer Sitzung bearbeiteten die Lernenden eine Sequenz von biologischen bzw. physikalischen Beispielaufgaben. Die Selbsterklärungen wurden durch Protokolle des lauten Denkens und die Lernergebnisse durch einen Problemlösetest erhoben. Die Ergebnisse bestätigen die zentrale Bedeutung der Qualität des Selbsterklärens für das Lernen mit Beispielaufgaben. Erfolgreiches Selbsterklären ist gekennzeichnet durch auf tieferes Verständnis abzielende Elaborationen, die den Beispielinhalt in Beziehung zum eigenen Wissen setzen und diesen weiterführen und aspektieren. Das Vorwissen scheint dabei die wichtigste Determinante des Selbsterklärens zu sein. Personen mit hohem Vorwissen lernen mit den Beispielaufgaben nicht nur tiefgründiger, sondern auch intensiver. Individuelle Präferenzen für bestimmte Selbsterklärungen traten nur vereinzelt auf und scheinen ohne Relevanz für das Lernergebnis zu sein. Das Selbsterklären beim Lernen aus Beispielaufgaben erscheint als ein aktiver Prozess, bei dem Lernende die möglichst optimale Passung von Beispielinhalt und Vorwissen anstreben.

Dieser Eintrag ist freigegeben.