Intentionen - Eine Studie zum Kommunikationsbegriff

Aachen: Shaker (2005) (Essener Studien zur Semiotik und Kommunikationsforschung ; 13), 168 S.
ISBN: 3-8322-3528-0
Buch / Monographie / Fach: Kommunikationswissenschaft
Magisterarbeit
Abstract:
Das Vorliegen von Intentionen wird gemeinhin als dasjenige Merkmal bzw. als die spezifische Differenz angesehen, durch welche sich Handlungen von Verhalten unterscheiden. Trotz dieses weitreichenden Konsenses werden intentionalistische Handlungskonzeptionen in den empirischen Sozialwissenschaften wie auch in philosophischen Handlungstheorien mitunter argwöhnisch betrachtet. Schließlich ist es unbestritten, dass Intentionen zur Innenseite des Menschen gehören, und daher einer empirischen Untersuchung nicht - bzw. nur durch Äußeres vermittelt und somit niemals unverfälscht - zugänglich sind. Zudem wird moniert, dass intentionalistische Ansätze primär auf zweckrationale Handlungen rekurrieren und somit eine prinzipielle Idealisierung vornehmen: Es sei fraglich, wie rational, wie bewusst und wie zielstrebig unser Handeln im Alltag tatsächlich angelegt ist. Was nun für Handlungen im Allgemeinen gilt, lässt sich ebenso auf Kommunikation beziehen. Will man nicht gemäß Watzlawicks berühmter Formel, dass man nicht nicht kommunizieren könne, jegliches Verhalten als Kommunikation qualifizieren, müssen Intentionen berücksichtigt werden, wodurch gleichsam Kritik heraufbeschworen wird: So wurde insbesondere durch Luhmanns Theorie sozialer Systeme wiederholt nahegelegt, dass Kommunikation als soziale Einheit nicht auf individuelle Bewusstseinsakte reduziert werden dürfe, dass also soziale und psychische Systeme in weitreichendem Maße als unabhängig voneinander betrachtet werden müssten. Handlungsmotive, die die Akteure ohnehin der Situation entnähmen und dies oftmals erst nachträglich, seien für die Kommunikation schlichtweg inexistent, solange sie nicht mitgeteilt und prozessiert würden. Zwar könne bei sprachlicher Kommunikation eine Intention zur Kommunikation vorausgesetzt werden, aber die individuelle Mitteilungsintention stifte nicht den Sinn der Mitteilung innerhalb des sozialen Systems. Hiermit ist ein wichtiger Grundstein gelegt, Kommunikation und kommunikativen Handlungssinn als genuin soziale Phänomene anzuerkennen. Andererseits greift Luhmanns Kommunikationskonzept für eine Kommunikationswissenschaft, die nach den Bedingungen von Verständigung fragt, zu kurz: Das Prozessieren eines irgendwie verstandenen Handlungssinnes darf in diesem Rahmen nicht genügen, ließe sich anhand dessen doch nur feststellen, dass die Kommunikation fortgesetzt wurde, nicht jedoch, wie erfolgreich sie im Sinne einer wechselseitigen Verständigung verlaufen ist. Es stellt sich der Kommunikationswissenschaft daher die Aufgabe, einen Kommunikationsbegriff zu entwerfen, der sowohl die Sozialität des Kommunizierens vollends anerkennt als auch zugehörige Erfolgskriterien zu benennen vermag. Von der Auseinadersetzung mit Luhmanns Systemtheorie ausgehend und im Rückgriff auf soziologische (Weber, Schütz) und philosophische (Bratman) Handlungstheorien sowie Theorien des Meinens (Grice), Verstehens (Sperber, Wilson) und Kommunizierens (Ungeheuer, Meggle) wird in der vorliegenden Arbeit für die Relevanz eines komplexen Gefüges von modifizierbaren, relationalen Intentionen der Sprecher und Hörer argumentiert. Auf diese Weise soll die adäquate Begriffsbestimmung von gesprächsförmiger Kommunikation als wir-intentionaler Gemeinschaftshandlung vorangetrieben werden. Zugleich wird dabei die Relevanz der multiplen, dynamischen Intentionen für die Koordination des Kommunikationsprozesses durch die Akteure aus kommunikativer Perspektive entfaltet.

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