Saadat-Gilani, Khaschayar:

Bedeutung opioderger Signalwege für die Modulation viszeraler Afferenzen bei funktionellen Magendarmerkrankungen

Duisburg-Essen (2005), 33 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Jakobs, Karl-Heinrich (Doktorvater, Betreuerin)
Holtmann, Gerald (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Funktionelle Erkrankungen des Magendarmtrakts sind überaus häufig. Sie sind charakterisiert durch Symptome wie Oberbauchschmerzen, Völlegefühl etc. sowie durch das Fehlen struktureller Läsionen oder biochemischer Abnormalitäten, die diese Symptome erklären. Die funktionelle Dyspepsie mit auf den Oberbauch bezogenen chronischen oder chronisch rezidivierenden Symptomen ist dabei eine der wichtigsten Erkrankungen, die in der Klinik Anlass gibt für endoskopische Untersuchungen. Hinsichtlich der Pathogenese der Symptome wird heute angenommen, dass neben Motilitätsstörungen vor allem Veränderungen der gastrointestinalen Sensorik eine zentrale Rolle einnehmen. So sind bei Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden die Schwellen für die Wahrnehmung und das Auftreten von Beschwerden bei mechanischer Distension des Magens signifikant niedriger als bei gesunden Probanden . Neben Unterschieden hinsichtlich der Wahrnehmungsschwellen sind Patienten gekennzeichnet durch gestörte adaptive Veränderungen der Wahrnehmungsschwellen nach repetitiver mechanischer Stimulation oder einer mukosalen Schleimhautschädigung durch nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, den Einfluss opioiderger Bahnen für die Modulation viszeraler Wahrnehmungsschwellen zu erfassen und die Effekte bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie und gesunden Probanden zu vergleichen. In Übereinstimmung mit anderen früheren Arbeiten findet sich bei Gesunden ein Anstieg viszeraler Wahrnehmungsschwellen nach repetitiver mechanischer Stimulation und Behandlung mit NSAR, während die Schwellen bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie abnehmen. Die Gabe von Naloxon, einem unspezifischen Opioidantagonisten, bewirkt bei Gesunden einen signifikant stärker ausgeprägten Abfall viszeraler Wahrnehmungsschwellen als bei Patienten. Die Daten lassen insofern den Schluss zu, dass a) bei Patienten offensichtlich antinozizeptive Bahnen nur eingeschränkt funktionstüchtig sind; b) b) dies auf eine Störung opioiderg vermittelter antinozizeptiver Effekte zurückzuführen ist, was die verminderte Antwort auf intravenös appliziertes Naloxon bei Patienten nahe legt.