Lüddecke, Julian:

Ethnische Vorurteile in der Schule : Entwicklung eines Präventionskonzepts im Rahmen interkultureller Pädagogik

Duisburg-Essen (2005), 233 Bl.
Dissertation / Fach: Allgemeines, Sonstiges
Fakultät für Bildungswissenschaften
Dissertation
Abstract:
Die o.g. Dissertation hat sich zum Ziel gesetzt, auf der Grundlage ausgewählter Ansätze Interkultureller Pädagogik ein Konzept zur Prävention ethnischer Vorurteile in systematischer Form zu entwickeln. Ausgehend von der Komplexität des Phänomens des ethnischen Vorurteils ist der Versuch unternommen werden, verschiedene definitorische, empirische und theoretische Zugänge in einem mehrdimensional ausgerichteten Präventionskonzept mit Blick auf die schulische Praxis zu synthetisieren. Eine umfassende Definition des Begriffs „ethnisches Vorurteil“ erfordert eine Synthetisierung psychologischer wie soziologischer Definitionsversuche. „Ethnische Vorurteile“ lassen sich einerseits auf der Grundlage des Konzepts der Einstellung definieren, andererseits werden in ihnen immer auch gesellschaftliche Ideologien wirksam. Einschlägige empirische Untersuchungen weisen ethnische Vorurteile bei Schülerinnen und Schülern nach. Es werden Einflussfaktoren wie Alter, Bildung, Geschlecht, politische Orientierung, Kontakt zu Migrantinnen und Migranten oder familiale, schulische und mediale Sozialisationsbedingungen als bedeutsam für die Entstehung und Verfestigung von Vorurteilen benannt. Es darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich ethnische Vorurteile auch bei Lehrerinnen und Lehrern nachweisen lassen, insbesondere dann, wenn ethnische Differenz als problembeladen oder nicht existent wahrgenommen wird. Die für eine Konzeptentwicklung notwendige Systematisierung von Theorien zur Erklärung ethnischer Vorurteile kann auf der Grundlage eines sozialisationstheoretisch ausgerichteten Mehrebenenmodells erfolgen. Die Unterscheidung zwischen Theorien der intrapersonellen, inter-personellen und inter-gruppalen, institutionellen wie gesellschaftlichen, europa- und weltgesellschaftlichen Ebene dient einem heuristischen Zweck und ermöglicht es, ethnische Vorurteile in ihrem komplexen Bedingungsgefüge zu analysieren. Die Untersuchung Interkultureller Pädagogik im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Vorurteilsprävention zeigt, dass die ausgewählten Ansätze der Interkulturellen Erziehung, der Europa- und Eine-Welt-Erziehung und der Antirassistischen Erziehung für sich genommen nicht die alleinige Grundlage für ein Konzept schulischer Prävention bilden können. Unter Berücksichtigung von Qualitätsstandards einer erziehungswissenschaftlich fundierten wie praxisbezogenen Prävention ist eine Zusammenführung der benannten Ansätze erforderlich. Eine vor dem Hintergrund der bisherigen Ergebnisse systematisierte Verbindung von Ansätzen Interkultureller Pädagogik bietet die Möglichkeit, Maßnahmen zur schulischen Prävention ethnischer Vorurteile auf mehreren Ebenen aus personeller wie struktureller Perspektive abzuleiten und setzt der erziehungswissenschaftlich orientierten Präventions-forschung innovative Impulse. Mit Blick auf die enge Theorie-Praxis-Verzahnung sollten bei der Konzeptentwicklungen immer auch die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Schule und der am Schulleben beteiligten Personen Berücksichtigung finden. Die Umsetzung dieses Präventionskonzepts erfordert ein Kompetenzprofil, das neben der personellen auch die strukturelle interkulturelle Kompetenz einbezieht.

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