No. 05 (1995): Die Kultur des Volkskonfuzianismus: Eine Untersuchung der Literatur zur kindlichen Erziehung
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| dao0595.html | 05.02.1997 00:00:00 | 127,2 KB |
In dieser Untersuchung wird davon ausgegangen, daß der Volkskonfuzianismus vom Konfuzianismus der Eliten verschieden war, und daß er also nicht über die Werke des konfuzianischen Denkens erfaßbar ist, sondern sich in den vielfältigen Erziehungsschriften der Konfuzianer der mittleren und unteren Schicht ausbildete und Einfluß ausübte. Der Inhalt der Ethik des Volkskonfuzianismus besteht nicht einfach in einer Anerkennung des alltäglichen Lebens, sondern ist eine Synthese aus konfuzianischer Moral, Familismus und individualistischem Utilitarismus. Diese Synthese hat nach der Song-Zeit im Volk große Verbreitung gefunden. Im Vergleich zur Literatur der damaligen Zeit und der verstreuten Sittenliteratur finden sich dort in konzentrierter Form jene Werte, die im alltäglichen Leben eine unmittelbare Funktion ausübten, und die in der vormodernen Zeit ebenso wie während der Modernisierung ein grundlegendes Element der Werteinstellungen des chinesischen Volkes darstellten. Die Erforschung der Erziehungsliteratur der Ming- und Qing-Dynastie besitzt also nicht nur eine wissenschaftliche Bedeutung, sondern bietet auch Hintergründe und Einblicke in das Verständnis der modernen wirtschaftlichen Entwicklung Oastasiens und Chinas.
