Report Nr. 6 - Ethno-Nationalismus als globales Phänomen

Zur Krise der Staaten in der Dritten Welt und der früheren UdSSR

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Der globale Trend zum Ethno-Nationalismus verstärkte sich in den letzen Jahrzehnten kontinuierlich. Ethnizität ist aber weder ein Erklärungsgrund noch ein Feigenblatt wenn andere Deutungen versagen. Eingangs skizzierte Konflikt- und Krisenursachen sollen in den folgenden Ausführungen in ihren jeweiligen Entstehungs- und Bedeutungszusammenhängen verortet werden. Gewaltförmige ethno-nationale Konflikte sind dabei sowohl Produkte wie Ursachen der Instabilität peripherer Staaten. Die Globalisierung “von oben” und die Fragmentierung “von unten” erweisen sich außerhalb Europas als nur scheinbar entgegenlaufende Prozesse. Geschichtlich gesehen beendete die europäische Kolonialexpansion die autonome Existenz einer Vielfalt verschiedener Gesellschaftsformationen und politischer Systeme. Die Ambivalenzen und Gewaltsamkeit der Nationalismen im Prozess der “Herstellung” der Nationen hatten sich auch in Europa schon früh gezeigt; Europa wurde zum geschichtlichen Hauptkriegsschauplatz gemacht. Der Export der Idee des europäischen Nationalstaates in die Kolonien stieß auf eine Fülle von zusätzlichen ideologischen, strukturellen und praktischen Schwierigkeiten. Für diese “Idee” gab es außerhalb Europas keine entsprechende Grundlage. Die Störfälle Separatismus und Ethno-Nationalismus wurden zu einem vorprogrammierten und dauerhaften Problem in der Dritten Welt, und neuerdings auch in der ehemals nominal-sozialistischen Welt. Die Bevorzugung ethnischer Minderheiten als integraler Teil der Herrschaftstechniken mehrerer Kolonialmächte hatte bis heute verheerende Folgen. Alternativen zum europäischen Kolonialerbe haben sich (an Beispielen aufgezeigt) seit 1840 reihenweise zerschlagen. Projekte regionaler Integration und selbstbestimmter Entwicklung – auch als Gegengewicht zur ethnonational induzierten Fragmentierung – scheiterten. Der Entwicklungs-Nationalismus der neuen Staaten desavouierte sich v.a. weil er seine Entwicklungsversprechen nicht einlösen konnte. Die 80er Jahre waren ein “verlorenes Jahrzehnt” für die Dritte Welt als Ganzes, die tief in die Schuldenfalle geriet und ihre Verhandlungsmacht einbüßte. Die Legitimationskrise der peripheren Staaten beschleunigte sich parallel zum wirtschaftlichen Niedergang.
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Dokumententyp:
Veranstaltungen, Tagungen, Ereignisse » Projektbericht, Report, sonstiger Bericht
Fakultät / Institut:
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften » Institut für Entwicklung und Frieden (INEF)
Dewey Dezimal-Klassifikation:
300 Sozialwissenschaften » 320 Politik
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
E-Publikationen / Dokument veröffentlicht
Dateien geändert am:
23.01.2012
Medientyp:
Text