Report Nr. 69 - Das multilaterale Handelssystem vor dem WTO-Ministertreffen in Cancun: vom Schnupfen zur Grippe?

Dateibereich 29278

753,2 KB in einer Datei, zuletzt geändert am 12.01.2012

Dateiliste / Details

DateiDateien geändert amGröße
report69.pdf12.01.2012 14:18:49753,2 KB
Das multilaterale Handelssystem ist in unruhiges Fahrwasser geraten. Unsichere Konjunktur-aussichten, die geplatzte Blase bei Informations- und Kommunikationstechnologien und steigende Transaktionskosten als Konsequenz des 11. Septembers haben 2001 erstmals seit fast 20 Jahren für einen Rückgang beim Volumen grenzüberschreitend gehandelter Waren gesorgt. Zwar leiden unter diesen Entwicklungen die einzelnen Weltwirtschaftsregionen in sehr unterschiedlichem Maße. Die Bremsspuren, die die Ereignisse seit Beginn des neuen Jahrzehnts hinterlassen haben, sind dennoch besorgniserregend und stellen auch für die in Doha (Katar) vereinbarte neue Welthandelsrunde eine schwere Hypothek dar. Um dem internationalen Handel mit Waren und Dienstleistungen neue Impulse zu geben und den evolutionären Sprung, den das Handelssystem mit der Gründung der WTO vollzogen hat, dauerhaft abzusichern, müssen eine Reihe von Aufgaben angegangen werden, die im langfristigen Interesse aller Akteure liegen. Dazu gehört, dass die laufende Handelsrunde den Interessen und Möglichkeiten der zahlenmäßig größten Mitgliedergruppe, den Entwicklungsländern, deutlich stärker Rechnung trägt. Die hohen institutionellen Anforderungen, die eine aktive Mitwirkung dieser Staaten an der weiteren Ausformulierung der globalen Handelsordnung erschweren, sind zudem durch bedarfsorientiertes capacity building zu mildern. Nicht weniger bedeutsam ist die möglichst problemlose Integration des neuen Mitglieds China in die Organisation, die sich schon allein wegen der wirtschaftlichen Größe des Landes als Lackmustest für den gesamten Globalisierungsprozess erweisen wird. Modifizierte Entscheidungsverfahren und eine Revision des überlasteten Streitschlichtungsmechanismus, also die partielle Reform der WTO, stehen darüber hinaus ebenso auf der Agenda, wie die Aufgabe, die Aushöhlung des Regelwerkes durch den grassierenden Bilateralismus zu verhindern. Nur wenn alle Akteure ihren unmittelbaren Vorteil zurückstellen, verlässliche Verhaltensweisen im vorgegebenen Ordnungsrahmen zeigen und im Gesamtinteresse des Regelwerkes WTO kooperieren, wird das wohlstandsmehrende Potential des multilateralen Handelssystems erhalten bleiben.
Lesezeichen:
Permalink | Teilen/Speichern
Dokumententyp:
Veranstaltungen, Tagungen, Ereignisse » Projektbericht, Report, sonstiger Bericht
Fakultät / Institut:
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften » Institut für Entwicklung und Frieden (INEF)
Dewey Dezimal-Klassifikation:
300 Sozialwissenschaften » 320 Politik
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
E-Publikationen / Dokument veröffentlicht
Dateien geändert am:
12.01.2012
Medientyp:
Text