Neurobiologische Grundlagen der Aufmerksamkeit: "Über die Freiheit der Wahl"

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Einleitung: Die Aufmerksamkeit gilt als selektiver Aspekt der Wahrnehmung. Diese Selektion repräsentiert eine Auswahl, die meist - aber nicht immer - begrenzt wird von der Art der eintreffenden Information, der initialen Motivation und der angestrebten Ziele. Unter den verschiedenenen möglichen Differenzierungen dieses Konzeptes hat die Unterscheidung von automatischen und kontrollierten Prozessen, die eng mit serieller und paralleler Verarbeitungen verbunden sind, eine besondere Bedeutung (siehe Abb. 1). Neurophysiologie: Die selektive Aufmerksamkeit für einen bestimmten Reiz beinhaltet, daß ein Teil der Information weitergeleitet wird zur Verarbeitung. Diese Weiterleitung erfordert ein synchronisiertes Feuern der relevanten neuronalen Bahnen, das durch ein EEG ermittelt werden kann. Bildet man die durch einen Stimulus ausgelösten EEG - Durchschnittswerte (Ereigniskorrelierte Potentiale), dann sind Erregungs- und Hemmungskomponenten zu erkennen, die sich den verschiedenen Prozeßstadien vom Erkennen eines Signales über die Hemmung interferierender Prozesse bis zur Kategorisierung des Reizes zuordnen lassen. Bei einer Abweichung von Stimuli werden negative Potentiale (Erregung) abgeleitet (automatische Prozesse, z.B. Mismatch Negativity, MMN) und die zugehörigen Verarbeitungsspuren (kontrollierte Prozesse, z.B. Negative Difference, Nd: vgl. Entwicklung über Adolescenz, Abb. 2) dargestellt. Gamma-, Beta- und Thetawellen im EEG reflektieren differenziert eine "binding of stimulus features" in nähere und entferntere Hirnbereiche. Neurotransmitterfunktion: Die chemische Kodierung in dem neuronalen System erfolgt mit den biogenen aminen Transmittern. Dies erlaubt eine Betrachtung der einzelnen Verarbeitungsschritte, die zur Einordnung der Reize erforderlich sind. Die Kontrolle der Reizstärke erfolgt mit Serotonin, Noradrenalin steuert die Einstellung und Dopamin ist zuständig für die Umschaltung der Aufmerk-samkeit. Die Acetylcholin-Aktivität scheint bei salienten Reizeigenschaften eine automatische Verarbeitung zu fördern. (Schema: Aufsteigenden Bahnen, Rückkoppelungen, Abb. 3) Anatomie der Aufmerksamkeit: Funktionelle Kernspin-Resonanz-Bild-gebungsverfahren von Hirnarealen, die bei Aufmerksamkeits-prozessen aktiviert werden, zeigen, daß es "Epizentren" von Aufmerksamkeits-Funktionen gibt, die variablen diffus verteilten Aktivitätsmustern übergeordnet sind. Die Frontalregionen üben eine exekutive Kontrolle aus, werden jedoch in Konfliktfällen der Informationsverarbeitungen und bei Fehlermeldungen durch cinguläre Aktivitäten unterstützt. Teile der Parietallappen links und rechts registrieren zeitliche und räumliche Aspekte von Ereignissen, deren Relevanz durch Muster-vergleiche im Temporallappen bestimmt werden (Abb. 4, Mesulam, 1999). Die Auswahl der für eine adäquate Reaktion erforderlichen Informationen - selektive Aufmerksamkeit - erfordert daher ein Netzwerk koordinierter Reaktionen unterschiedlicher Hirnareale, die auf elementare Steuerungsmechanismen des Hirnstammes zur Klassifizierung von Informationen aufbaut
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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Texte » Artikel, Aufsatz
Fakultät / Institut:
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » LVR-Klinikum Essen » Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Dewey Dezimal-Klassifikation:
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit » 610 Medizin und Gesundheit
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
E-Publikationen / Dokument veröffentlicht
Dateien geändert am:
23.01.2013
Medientyp:
Text
Rechtliche Vermerke:
pre-publication text
Quelle:
Final version in: Sprache – Stimme – Gehör : Zeitschrift für Kommunikationsstörungen, 24 (2000), S. 49 - 56 DOI: 10.1055/s-2000-11075