Risikomanagement im Gesundheitswesen – Eine ökonomische Nutzen-Analyse unter Einbezug der Haftpflichtversicherungsprämien

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Der Einsatz von Risikomanagement im Gesundheitswesen dient der Fehlerreduzierung und Fehlervermeidung. Durch den Einsatz von Risikomanagement-Instrumenten wird die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen verringert. Umfassendes und nachhaltiges klinisches Risikomanagement kann die Schadenshöhe/-häufigkeit beeinflussen.
Es stellt sich in wirtschaftlich immer schwierigeren Zeiten aber auch die Frage nach dem ökonomischen Nutzen eines umfassenden Risikomanagement-Systems. Die Vermeidung von Fehlern beinhaltet die Vermeidung von Schäden und deren Folgen. Das heißt, dass die Folgekosten, die bei Eintritt unerwünschter Ereignisse auftreten, verhindert werden. Das sind zum Beispiel Kosten durch Doppel-, Mehr- oder Nacharbeit. Zusätzlich können Kosten bei Rechtsstreitigkeiten und bei Forderungen nach Schadensersatz entstehen, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. Die Einsparungen dieser Kosten können bereits den ökonomischen Gewinn ausmachen. Die Messbarkeit dieses monetären Vorteils ist jedoch nicht abschließend darzustellen, da nach der Einführung von Risikomanagement die Zahl der eingesparten Vorfälle nicht exakt benannt werden kann und auch nicht die etwaigen Folgekosten aufgestellt werden können. Aus diesem Grund wurde als Messgröße die Haftpflichtversicherungsprämie abgeleitet, um den monetären Benefit durch Risikomanagement ökonomisch darzustellen.
Beeinflusst die Einführung von Risikomanagement die Fehlerhäufigkeit, entsteht im Zuge dessen eine Schadensreduktion. Diese Schadensreduktion führt zu verminderten Folgekosten, gegen die sich der Großteil der deutschen Krankenhäuser im Rahmen der Haftpflichtversicherung abgesichert hat. Diese Absicherung berücksichtigt neben anderen Faktoren, auch die Schadenshäufigkeit der Vergangenheit in der Kalkulation der zu zahlenden Prämie. Sollte die Schadensfrequenz sinken, müsste diese Auswirkung von Risikomanagement auch wiederum Auswirkung auf die Haftpflichtversicherungsprämie haben. Die Prämie müsste sinken und einen ökonomisch-monetären Vorteil aus dem Einsatz der Risikomanagement-Instrumente sichtbar machen.
Als Methode wurde eine schriftliche Befragung einer einfachen und zufälligen Stichprobe deutscher Krankenhäuser durchgeführt. Diese Befragung wurde 2007 und 2008 durchgeführt. Mittels Fragebogen wurden zunächst allgemeine Informationen über das Krankenhaus abgefragt. Dann wurde der Einsatz von Risikomanagement-Instrumenten thematisiert. Es folgte ein Erhebungsteil zum Thema Haftpflichtversicherung – zunächst mit der Fragestellung, ob eine Haftpflichtversicherung vorliegt und auf welcher Grundlage sich diese berechnet. Dann wurden die kumulierten Versicherungsprämien für das gesamte Haus, sowie die jeweilige Planbettenanzahl abgefragt.
Die Auswahl der Krankenhäuser ergab sich als einfache und zufällige Stichprobenauswahl. Aus den Studien ergab sich ein Rücklauf von insgesamt n = 148 Fragebögen. Auf Grund der Ergebnisse der statistischen Analyse und der Prognose im Rahmen der Studienauswertung zeigte sich, dass kein Rückgang der Prämien nach Einführung von Risikomanagement zu verzeichnen ist. Im Gegenteil - die relativen Prämien steigen nach dem Modell sogar weiter an. Es ist auch kein abflachender Anstieg der Prämien durch die Umsetzung von Risikomanagement-Maßnahmen zu erkennen. Ein Einspareffekt im Rahmen der Versicherungsprämie durch die Einführung von Risikomanagement, konnte nicht bestätigt werden.
Die Falsifizierung kann auf mehrere Gründe zurückgeführt werden.
Zum eine kann es sein, dass die eingesetzten Risikomanagement-Instrumente (noch) nicht die Schadenshäufigkeit verringern. Die Wirksamkeit des Risikomanagementsystems muss also überprüft, bzw. intensiviert werden werden.
Zum anderen ist die Kalkulation der Prämien und die Entwicklung des Versicherungsmarktes ist ein sehr multifaktorieller Komplex. Die Zahl bekannt gewordener Medizinschäden und daraus resultierende Haftungsverpflichtungen haben in den letzten 20 Jahren rasant zugenommen. Aus diesem Grund sind zunehmende Schadensaufwendungen notwendig. Durch den technischen Fortschritt und die demographische Entwicklung gibt es mehr multimorbide, schwer kranke und alte Menschen, so dass Mediziner immer komplizierteren Krankheitsbildern und -verläufen gegenüberstehen, die vermehrt zu Behandlungsfehlern führen können.
Durch Medien/Internet sind Patienten immer besser über Krankheit und ihre Rechtslage informiert und im Zeitalter des Wettbewerbs der Krankenhäuser hat sich ein neues Anspruchsdenken herausgebildet, was bedeutet, dass zusammen mit einer patientenfreundlichen Rechtssprechung mit Beweiserleichterung, Patienten immer häufiger versuchen, ihr Recht einzuklagen.
Das heißt, wenn sich tatsächlich ein Rückgang der Prämien, bzw. eine geringere Steigerung der Prämien durch Risikomanagement erzielen lässt, wird dieser ökonomische Benefit durch andere Faktoren torpediert.
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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Fakultät / Institut:
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Dewey Dezimal-Klassifikation:
300 Sozialwissenschaften » 330 Wirtschaft » 330 Wirtschaft
Beitragende:
Prof Dr. Wasem, Jürgen [Betreuer(in), Doktorvater]
Prof. Dr. Elschen, Rainer [Gutachter(in), Rezensent(in)]
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
Dissertationen / Dokument veröffentlicht
Datum der Promotion:
09.03.2011
Dokument erstellt am:
12.04.2011
Promotionsantrag am:
11.08.2010
Dateien geändert am:
30.07.2013
Medientyp:
Text