Selbstreguliertes Lernen durch Experimentieren: Von der Erfassung zur Förderung

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Der Ausgangspunkt dieser Arbeit lag im geringen Lernerfolg, der durch das Schülerexperiment erzielt wird (Hofstein & Lunetta, 1982; Hucke & Fischer, 2002). Durch die Konzeptionierung des Schülerexperiments als eine spezielle Form des selbstregulierten Lernens (SRL), nämlich SRL durch Experimentieren, wurden in einem ersten Schritt die Anforderungen dieser Lernform theoretisch hergeleitet. Nach Wirth und Leutner (2006) ist diese Lernform durch die Notwendigkeit zur Regulation innerhalb und zwischen zwei Zielsetzungen gekennzeichnet, nämlich dem Identifizieren neuer Informationen und dem Integrieren neuen Wissens (Wirth, 2004). Während das Identifizieren Gegenstand der Forschung zum Inquiry Learning ist (Klahr & Dunbar, 1988; De Jong & van Joolingen, 1998), ist das Integrieren Gegenstand der Modelle des SRL (Boekaerts, 1999; Schreiber, 1998; Winne & Hadwin, 1998). Durch die Zusammenführung dieser zwei Forschungsrichtungen konnte die Regulation zwischen diesen Zielsetzungen als regulative Anforderung auf der „Makroebene“ und die Regulation innerhalb der jeweiligen Zielsetzung als regulative Anforderung auf der „Mikroebene“ beschrieben werden, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen dem Strategiewissen und der Strategienutzung ergibt. Vor diesem theoretischen Hintergrund erfolgte die Erfassung der lernrelevanten Komponenten und Prozesse des SRL durch Experimentieren. Dazu wurden auf der Basis der computerbasierten Lernumgebung Auftrieb in Flüssigkeiten verhaltensbasierte Maße für die Nutzung von Strategien des Identifizierens und des Integrierens entwickelt. Zudem wurde ein Test zur Erfassung des Strategiewissens im Bereich Experimentieren entwickelt. Während die Struktur des Tests analog zur Struktur bestehender Tests zum Strategiewissen im Bereich Lesen (Schlagmüller & Schneider, 2007) und im Bereich Mathematik (Ramm et al., 2006) angelegt wurde, orientiert sich der Inhalt des Tests an den beiden Zielsetzungen des SRL durch Experimentieren, dem strategischen Identifizieren und Integrieren. Anhand dieser Instrumente war es nun möglich, die theoretischen Annahmen über die Anforderungen empirisch zu überprüfen. In einer korrelativen Studie zeigte sich, dass SchülerInnen der Sekundarstufe I über strategisches Wissen zum Experimentieren verfügen, dieses aber nur selten spontan nutzen. Darüber hinaus zeigte sich, dass es von der aktuellen Motivation der SchülerInnen abhängt, ob sie ihr vorhandenes Strategiewissen in der Lernsituation nutzen. In einer experimentellen Studie wurde schließlich eine theoretisch hergeleitete adäquate Förderung des SRL durch Experimentieren evaluiert. Hierzu wurden metakognitive Prompts als geeignete Maßnahme erachtet, die selbständige metakognitive Regulation des Lernens zu fördern (Bannert, 2003; Lin & Lehman, 1999). Vor dem Hintergrund des zuvor erfassten optimalen Verlaufs der Lernprozessregulation konnte bestätigt werden, dass eine zeitliche Anpassung der Darbietung metakognitiver Prompts zum Identifizieren und zum Integrieren gemäß dem optimalen Verlauf der Lernprozessregulation einen positiven Effekt auf den Lernerfolg hat. Zudem zeigte sich, dass die Darbietung metakognitiver Prompts während des Lernprozesses einen positiven Effekt auf die Nutzung der Strategie zum Identifizieren, nicht jedoch der Strategie zum Integrieren hatte. Zusammenfassend konnte in dieser Arbeit gezeigt werden, dass eine theoretische Herleitung der zentralen Anforderungen einer Lernform und eine darauf aufbauende Erfassung der Kenntnisse und Fähigkeiten der Lernenden die Entwicklung einer adäquaten und effektiven Fördermaßnahme ermöglicht. 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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Fakultät / Institut:
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie » Lehr-Lernpsychologie
Dewey Dezimal-Klassifikation:
300 Sozialwissenschaften » 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen » 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Stichwörter:
Selbstreguliertes Lernen, Lernstrategien, Schülerexperiment
Beitragende:
Prof. Dr. Leutner, Detlev [Betreuer(in), Doktorvater]
Prof. Dr. Artelt, Cordula [Gutachter(in), Rezensent(in)]
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
Dissertationen / Dokument veröffentlicht
Datum der Promotion:
22.08.2007
Dokument erstellt am:
01.02.2008
Promotionsantrag am:
04.05.2007
Dateien geändert am:
06.02.2008
Medientyp:
Text