Effekte von Zielqualität und Zielspezifität auf selbstreguliert-entdeckendes Lernen durch Experimentieren

Dipl.-Psych. Künsting, Josef

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Im Zuge der Dissertation wurde zunächst eine computerbasierte Experimentierumgebung mit dem Inhaltsbereich "Auftrieb in Flüssigkeiten" entwickelt und evaluiert. In einer ersten korrelativen Studie konnte diese Experimentierumgebung mit einer Stichprobe von insgesamt N = 436 Probanden der Schuljahrgangsstufen 8-10 zum einen erfolgreich evaluiert werden (z.B. hinsichtlich Lernwirksamkeit und Anregung zur Strategienutzung). Zum anderen konnte mittels Strukturgleichungsanalysen hypothesenkonform gezeigt werden, dass die kognitive Lernstrategie der isolierenden Variablenkontrolle (siehe Chen & Klahr, 1999; Künsting et al., im Druck) auch unter jeweiliger Kontrolle von aktueller Motivation, Intelligenz und metakognitivem Strategiewissen ein bedeutsamer Prädiktor für Lernerfolg ist. Dabei wurde die Strategienutzung mit einem computerbasierten Maß über die Analyse von logfiles gemessen. Zusätzlich wurde in einer simultanen Gruppenanalyse (in SEM) bestätigt, dass das Ausmaß des Vorwissens ein substanzieller Moderator für die zuvor beschriebene Prädiktion ist: Bei Probanden mit hohem Vorwissen fiel die Prädiktion des deklarativ-konzeptuellen Wissenszuwachses (residual vorwissensbereinigt) durch die Strategienutzung bedeutsam stärker aus als bei Probanden mit geringem Vorwissen. Dies zeigte sich wieder unabhängig davon, welche der oben aufgeführten Kontrollvariablen einbezogen wurden. Diese Befunde schließen eine relevante Forschungslücke. Die darauf aufbauende experimentelle Studie verfolgte unter Verwendung der oben genannten Experimentierumgebung mit einer Stichprobe von insgesamt N = 233 Probanden der Schuljahrgangsstufen 8-10 das Ziel, die beiden Faktoren 1. Zielqualität (Lern- vs. Problemlöseziele) und 2. Zielspezifität (spezifische vs. unspezifische Ziele) hinsichtlich ihrer Effekte auf den Wissenszuwachs, den cognitive load und die Strategienutzung zu vergleichen (Die Probanden wurden den insgesamt 4 Bedingungen mit unterschiedlichen Zielvorgaben randomisiert zugewiesen). Die bisherige Forschung weist diesbezüglich Defizite auf: Entweder ist dieser Vergleich gar nicht vorgenommen worden, oder aber es wurde eine Konfundierung der zwei Faktoren zugelassen. Zudem wurde der cognitive load unter der Bedingung externaler Zielvorgaben in der bisherigen Forschung noch nicht empirisch gemessen. Für die experimentelle Studie wurde ausgehend von der korrelativen Studie die (adaptierte) Experimentierumgebung verwendet. Im Ergebnis zeigte eine 2x2-faktorielle ANCOVA mit den oben genannten Faktoren und den Kovariaten Intelligenz, Motivation, Interesse und Lernzielorientierung, dass Lernziele erwartungsgemäß einen signifikant größeren Wissenszuwachs bewirken als Problemlöseziele, was in der bisherigen Forschung noch nicht untersucht wurde. Der Haupteffekt für den Faktor Zielspezifität ist wie erwartet nicht statistisch bedeutsam. Allerdings zeigt ein nach Ronis (1981) angewendetes Verfahren, dass sich die Ausmaße der zwei Haupteffekte nicht substanziell voneinander unterscheiden. Somit ist Zielqualität nicht bedeutsam relevanter für den Wissenszuwachs als Zielspezifität. Als Begründung hierfür kann z.B. gelten, dass die Spezifität innerhalb von Problemlösezielen erwartungsgemäß eine Rolle für den Wissenszuwachs spielte: Unspezifische Problemlöseziele bewirkten signifikant mehr Wissenszuwachs als spezifische Problemlöseziele. Damit konnte der Zielspezifitätseffekt bei Problemlösezielen (z.B. Sweller, 1988, 1994) repliziert werden sowie auf den cognitive load und die Strategienutzung als abhängige Variablen ausgeweitet werden (in allen Fällen zugunsten unspezifischer Problemlöseziele verglichen mit spezifischen Problemlösezielen). Weitere Ergebnisse sind beispielsweise, dass Lern- und Problemlöseziele, wie angenommen, zu einem vergleichbar hohen cognitive load führten. Wie vermutet, spielte die Spezifität nur bei Problemlösezielen eine Rolle für den Wissenszuwachs und die Strategienutzung, nicht aber bei Lernzielen. Die insgesamt 4 unterschiedlichen Arten externaler Zielvorgaben erwiesen sich als relativ robust gegenüber dem Ausmaß der internalen Lernzielorientierung der Personen, welches seinerseits den Wissenszuwachs nur tendenziell positiv beeinflusste.
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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Fakultät / Institut:
Fakultät für Bildungswissenschaften
Dewey Dezimal-Klassifikation:
300 Sozialwissenschaften » 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen » 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen
100 Philosophie und Psychologie » 150 Psychologie » 150 Psychologie
Stichwörter:
Zielqualität, Zielspezifität, Zielvorgaben, goal setting, selbstreguliert-entdeckendes Lernen durch Experimentieren, cognitive load, Strategienutzung, computerbasierte Experimentierumgebung, scientific discovery learning
Beitragende:
Prof. Dr. Leutner, Detlev [Betreuer(in), Doktorvater]
Prof. Dr. Brünken, Ronald [Gutachter(in), Rezensent(in)]
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
Dissertationen / Dokument veröffentlicht
Datum der Promotion:
15.11.2007
Dokument erstellt am:
07.12.2007
Promotionsantrag am:
13.07.2007
Dateien geändert am:
19.11.2012
Medientyp:
Text